Kopački rit – Naturpark der Superlative

Naturpark Kopački rit

Im Osten Kroatiens, in der Nähe der Stadt Osijek, liegt zwischen der Donau und der Drau eines der größten Feuchtgebiete Europas:

Der Naturpark Kopački Rit.

Mit einer überwältigenden Artenvielfalt bietet der Park zu jeder Jahreszeit interessante Beobachtungsmöglichkeiten.

Kopački rit

Im Frühling, wenn Donau und Drau Hochwasser führen, ist der Wasserstand im Park am höchsten. Riesige Scharen von Vögeln stellen sich ein.

Die erholsame Stille des Parks kann man im Sommer genießen. die nur durch Laute aus der Natur durchbrochen wird. Im Schatten alter, großer Bäume gibt es genügend Sitzgelegenheiten, um die Natur auf sich wirken zu lassen.

Der Herbst ist auch die Jahreszeit der Hirsche. Ihr lautes Röhren übertönt die Geräusche der anderen Bewohner des Feuchtgebietes.

In der kalten Jahreszeit ändert sich das Gesicht des Naturparks. Viele Tiere verlieren wegen der kargen Nahrung ihre Scheu und lassen sich besser beobachten. Außerdem sind Bäume und Sträucher weitgehend ohne Laub und so haben vor allem die Säugetiere weniger Versteckmöglichkeiten.

Gemeinsam mit meinem Mann besuche ich den Park im Sommer. Das Wetter ist warm, aber nicht heiß und der ist Himmel leicht bedeckt: zum Fotografieren die ideale Voraussetzung.

Kopački rit Holzsteg

Ein ca. 1,2 km langer Lehrpfad führt vom Besucherzentrum, das sich im Eingangsbereich befindet, bis zu einer Bootsanlegestelle. (Wenn man eine Fahrt mit dem Ausflugsboot machen möchte, gibt es die Fahrkarten im Besucherzentrum) Diese Entfernung könnt ihr auch dann zurücklegen, wenn ihr nicht so gut zu Fuß seid. Der Weg führt zum Teil auf hölzernen Stegen durch natürliches Sumpfgebiet und ist mit zahlreichen Informationstafeln und 5 Rastplätzen ausgestattet.

Es gibt auch eine kleine Bahn, die Besucher auf der Straße direkt zum Bootsanlegeplatz bringt. Dadurch verpasst ihr aber die interessanten Informationen, die der Lehrpfad bietet. 

Kurz vor dem Ende des Lehrpfades kommt allerdings eine Treppe, die zum Beispiel für Rollstuhlfahrer nicht geeignet ist. Wenn ihr oben an der Treppe seid, müsst ihr zur Bootsanlegestelle auf dem Deich nach links gehen. Das steht nirgends. Im Besucherzentrum hatte man uns dies allerdings deutlich erklärt. Leider waren zur Zeit unseres Besuchs mehrere Holzstege, die normalerweise mitten durch den Sumpf führen, wegen Reparaturarbeiten nicht begehbar.

Bis zur Abfahrt des Bootes, das wir gebucht haben, verbleiben fast anderthalb Stunden Zeit. Also trinken wir zuerst mal eine Tasse Kaffee.

Kopački rit Holzsteg
Kopački rit

Danach machen wir uns gemütlich auf den Weg. Das Quaken der Frösche, der Gesang der Vögel und der gelegentliche Schrei eines Raubvogels begleiten uns. Der Lehrpfand ist mit Sitzgelegenheiten ausgestattet, die dem Besucher Gelegenheit geben, die einzigartige Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Die Informationstafeln beschreiben jeweils eine Tierart, die in dem Sumpfgebiet heimisch ist. Sie sind in kroatischer und englischer Sprache verfasst. Hier werde ich euch die wichtigsten Informationen übermitteln.

Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) 

Diese kleine, fleischfressende Schildkrötenart ist die einzige aus dieser Reptiliengruppe, die im Kopački rit vorkommt. Die Tiere sonnen sich häufig auf Baumstämmen im flachen Wasser oder entlang des Ufers. Ihre Gelege vergraben sie im Sand, wo diese aber des Öfteren hungrigen Füchsen zum Opfer fallen.

Die Sumpfbewohner sind allerdings nicht so zahlreich, dass man sie überall fotografieren kann. Außerdem sind sie scheu. Aus diesem Grund habe ich teilweise auf Symbolbilder (www.canva.de) zurückgegriffen, um anschaulich zu machen, wie die jeweilige Tierart aussieht.

Europäische Sumpfschildkröte
Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) 
Ringelnatter
Ringelnatter (Natrix natrix)

Ringelnatter (Natrix natrix)

Das sind ungiftige Schlangen aus der Familie der Nattern (Colubridae).

Sie werden meist nur bis zu 120 cm lang. Es wurden jedoch gelegentlich auch Exemplare beobachtet, die bis zu zwei Metern lang waren. Die Ringelnattern sind leicht von anderen Natternarten zu unterscheiden: sie haben am Hinterkopf halbmondartige Flecken. Bei Weibchen sind diese weiß, bei Männchen jedoch gelblich.

Als gute Schwimmer und Taucher ernähren sie sich von Fröschen, Kaulquappen, Fischen, Molchen und von kleinen Säugetieren. Sie können sogar Bäume erklimmen. Von November bis Anfang April halten diese Reptilien Winterschlaf.

Graureiher (Ardea cinerea)

Diese Reiherart ist mit einer Körpergröße von bis zu 100 cm die größte in diesem Sumpfgebiet. Sie ist auch von weiten gut zu unterscheiden. Die Schwingen sind abgerundet und die Flügelschläge sind kräftig und langsam. Sie gleiten durch die Luft und sparen so Energie. Der Kopački Park beheimatet die größte Reiherkolonie in Kroatien.

Sie waten langsam durch das seichte Wasser oder stehen regungslos still um Fische, Frösche und Schlangen zu erbeuten. Gelegentlich sieht man Graureiher auch auf Wiesen, wo sie Mäusen auflauern.

Graureiher (Ardea cinerea)
Höckerschwan
Höckerschwan (Cygnus olor)

Höckerschwan (Cygnus olor)

Dies ist die häufigste Vogelart im Wildpark. In der freien Natur werden sie bis zu 19 Jahre alt, in Gefangenschaft können sie bis zu 40 Jahre alt werden.

Zwei weitere Arten wurden im Park beobachtet

  • Whooper swan C. cygnus
  • Tundra swan C. columbiaus

Seeadler (Haliaeetus albicilla) 

Die Seeadler sind die größten Raubvögel in der Region und haben eine Flügelspannweite bis zu 2,3 m. Sie sind außerdem das Symbol dieses Naturparks

In den 70er Jahre waren sie gefährdet durch Pestizide und die Abnahme von Feuchtgebieten. In den letzten Jahren hat der Bestand an Seeadlern wieder zugenommen und ist inzwischen stabil. Seeadler fressen auch Aas und sind daher die „Saubermacher“ im Park. Der Anblick eines Seeadlers auf Beutefang ist besonders eindrucksvoll.

Seeadler (Haliaeetus albicilla) 
Seefrosch (Pelophylax ridibundus)

Seefrosch (Pelophylax ridibundus) 

Dies ist die am häufigsten anzutreffende Froschart im Parkgebiet. Seefrösche werden bis zu 10 cm groß und wurden früher von den Menschen gefangen und verspeist. Diese Froschart ist sehr robust und kann sogar in von menschlichem Haushaltsmüll beeinträchtigten Feuchtgebieten überleben.

Die Drainage oder Trockenlegung von Feuchtgebieten hat allerdings insgesamt zu einem Rückgang dieser Spezies geführt.

Das Sumpfgebiet ist ein Lebensraum für global gefährdete Vogelarten wie zum Beispiel

  • Moorente (Aynthya nyroca)
  • Saker- oder Würgfalke (Falco cherrug)

Es ist außerdem wichtig für das Überleben von europäischen, gefährdeten Arten wie

  • Löffelreiher (Platalea leucorodia)
  • Weißbart-Seeschwalbe (Chlidonias hybrida)

Über 20.000 Sumpfvögel sammeln sich ebenfalls im Kopački rit.

Wie erreicht man zu Fuß die Bootsanlegestelle? Folgt einfach dem Lehrpfad bis zum Ende. Dann kommt ihr an eine Treppe, die auf den Deich hinaufführt. Dort haltet euch links. Es sind nur noch wenige Meter bis zur Bootsanlegestelle.

Die Fahrt mit dem Boot ist sehr interessant und dauert etwa 45 Minuten. Der Kapitän erläutert während der Fahrt die interessantesten Dinge – allerdings nur auf Kroatisch. Wer also, so wie ich, dieser Sprache nicht mächtig ist, kann sich voll auf die Beobachtung und das Fotografieren konzentrieren. Wenn das Boot vorbeifährt, erheben sich Vögel, die am Ufer auf Beute lauern, in die Lüfte und fliegen mit kräftigen Flügelschlägen einige hundert Meter weiter. Wer mit dem Foto schnell genug ist, kann faszinierende Bilder einfangen.

In der Nähe der Bootsanlegestelle lebt eine große Anzahl von Kormoranen. Sie sitzen zu Hunderten in den Bäumen oder tauchen im Wasser nach Nahrung. Durch den Kot der Tiere sind allerdings zahlreiche Bäume abgestorben.

Naturpark Kopački rit
Kopački rit Boot

Nachdem das Ausflugsboot wieder am Ausgangspunkt angelegt hat, machen wir uns zu Fuß auf den Rückweg. Im Besucherzentrum fragen wir noch nach weiteren Informationen zum Park und seiner Geschichte. Unser Interesse stößt auf große Resonanz. Die beiden Mitarbeiter, eine Frau und ein Mann, mit denen wir uns auf englisch verständigen, sind enorm hilfsbereit und am Ende verlassen wir den Park mit zahlreichen (kostenlosen) Informationsschriften und Übersichtskarten, auch über die gesamte Region Slavonien – da lacht mein Bloggerherz!

Manchmal gibt es Begegnungen, die eine Herzlichkeit und Wärme ausstrahlen und unser Herz berühren. So empfinde ich diesen Tag.

Didin Konak – gutes Essen und schöne Umgebung

Nach dem Aufenthalt im Park sind wir hungrig und entscheiden uns für ein Gasthaus mit dem Namen „Didin Konak“ im Ort Kopačevo. Wir stellen beim Eintreffen sofort fest, dass wir eine gute Wahl getroffen haben, was die Location anbelangt. Als das von uns bestellte Menü (Zander vom Grill mit Spinatkartoffeln und Salat) serviert wird, sind wir begeistert. Der Fisch und die Beilagen sind hervorragend zubereitet. Auch werden wir hier mit großer Aufmerksamkeit und Herzlichkeit bedient. Das Restaurant verfügt auch über Gästezimmer.

Didin Konak 2
Zander mit Spinatkartoffeln

Der Besuch im Kopački rit und der gemütliche Abschluss im Gasthaus Didin Konak mit einem guten Essen und einem kühlen Bier ist ein unvergessliches Erlebnis und es rundet das positive Bild ab, das wir inzwischen von dieser Region – Slawonien – gewonnen haben.

Hier geht’s zur Website von „Kopački rit“ (kroatisch u. englisch)

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